In den letzten Tagen wurde bekannt, dass deutsche Geheimdienste weit über 37 Millionen Emails mitgelesen hätten. Die Emails wurden ausgewählt, weil sie bestimmte Schlagwörter wie Bombe enthielten. Tatsächlich ist diese Information widersprüchlich. Um diese Emails sinnvoll heraus zu filtern, muss jede einzelne Email gelesen werden. Nicht notwendigerweise von einem Agenten, aber doch von einem Computersystem.
JEDE verschickte Email muss also von den Geheimdiensten oder ihren Beauftragten kopiert, ausgewertet und dann entweder verworfen oder gespeichert werden.

Komischerweise gibt das bei Emails keinen großen Aufschrei. Vermutlich, weil die Bundestagsabgeordneten es schlicht nicht kapieren. Oder weil Rot/Grün die Maßnahme eingeführt hat, Schwarz/Rot und Schwarz/Gelb aber später nichts dagegen hatten. Seit Jahren sind sie abwechselnd an der Regierung und haben das Problem ignoriert. Aber jetzt, jetzt müssen sie doch reagieren. Die Geheimdienste haben gezeigt, das sie abseits jeder (vom Grundgesetz geforderten!) Verhältnismäßigkeit arbeiten und jedes Maß verloren haben. Ich muss da wieder an dieses Video denken. Jetzt muss der Bundestag doch endlich reagieren. Stimmt, manche Parteien kritisieren die Auswahl der Filterwörter. Und das ist lächerlich.

Betrachten wir es mal als Beispiel mit Briefen. Damit wird es weniger technisch und damit vielleicht auch verständlicher - gleichzeitig aber ungefährlicher, denn privates wird heute eher per Email verschickt. Briefe dienen für Rechnungen und Formalitäten. Die Geheimdienste* nehmen sich nun jeden Brief. Öffnen ihn, kopieren den Inhalt, kleben ihn wieder zu und schicken ihn weiter. Dann wird der Inhalt gescannt und geschaut, ob er bestimmte Wörter enthält. Falls Max also seiner neuen Flamme geschrieben hat, dass sie gestern wie eine Bombe aussah, wird der Brief an einen Agenten geschickt.
Der liest ihn, amüsiert sich über Max und legt den Brief zu den Akten. Oder man verhaftet Max, weil man sich in der Gefahreneinschätzung irrt.
Was ist bei dieser Vorstellung denn nun das eigentliche Problem? Mir ist es völlig egal, ob die Geheimdienste nun nach Bombe suchen oder nach "Unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtung" (oder improvised explosive device). Mein Problem ist, dass sie die Briefe überhaupt öffnen. Damit wird jeder einzelne Mensch in Deutschland pauschal überwacht. Und die wirklich bösen Jungs, die können dem einfach entgehen - Verschlüsselung, Steganographie (versteckte Inhalte in Bildern beispielsweise), Code-Wörter, etc.
Oder sie nutzen einfach kleine Provider. Denn die müssen den Geheimdiensten nicht unterwürfig den Bauch zeigen. Die Maßnahme insgesamt dient also wieder einmal nur der Bespitzelung der normalen Bevölkerung, aber nicht der tatsächlichen Bekämpfung organisierter Kriminalität oder des Terrorismus. Daher wundert es auch nicht, das diese Überwachungsmaßnahmen so wenig Informationen liefern. **

Der Skandal, vor Allem aber aber die politischen Reaktionen darauf beweisen, dass unsere Geheimdienste heute tun und lassen können was sie wollen. Die wenigsten Menschen wissen, wie weit die Überwachung der gesamten Bevölkerung schon gekommen ist. Silent SMS um den Aufenthaltsort zu erfassen, die Erfassung jedes einzelnen Teilnehmers einer Demonstration via Funkzellenabfrage, Überwachung der Emails, demnächst vielleicht wieder eine Vorratsdatenspeicherung mit Erfassung des Bewegungsprofils und der Telefonate .. Wo soll das alles hinführen? Meiner Meinung nach sind wir damit bereits viel zu weit in einem Überwachungsstaat. Und wir sollten schleunigst umkehren.

Aber dafür nützt es nichts, wenn wir die Filterwörter etwas besser auswählen. Dafür müssen wir diese gesamte Überwachungsmaßnahme einstampfen. Und dann eine ehrliche Liste erstellen: Was wird überwacht, wie wird überwacht und wie wird das kontrolliert. Danach muss die Liste zusammen gestrichen werden. Das ist der einzige Weg. Denn sonst schauen uns irgendwann unsere Kinder an und fragen "Papa, wo warst Du, als sie anfingen die Emails zu überwachen?" Und ich weiß nicht, was ich dann sagen könnte.

*: An der Stelle ist es egal, ob es nun die Post macht oder tatsächlich ein Mitarbeiter von BND/MAD/BfV, die Filterliste kommen von den gleichen Stellen, die Inhalte gehen zurück.

**: Übrigens - ich bin Pyrotechniker. Und in meinen Mails kommen häufiger Wörter wie Bombe oder USBV vor. Weil ich mich mit diesen Themen beschäftige - und weil die Änderung des Waffenrechtes zu den USBV einige interessante Auswirkungen auf die Bühnenpyrotechnik hatte. Terrorist bin ich dennoch nicht.

edit: JA, ich weiß, das nicht jede einzelne Email gescannt wird. Aber ob nun alle gescannt werden oder eine zufällige Auswahl, das ändert an dem beschriebenen Problem absolut nichts. Und es ist für die Vorgehensweise auch nur eine Frage der Rechnerkapazitäten, nicht der Möglichkeiten. Die Abhörstruktur steht ... ob man nun 37 Millionen Mails abruft oder 37 Milliarden .... so teuer sind CPUs nicht.

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  1. Aus aktuellem Anlass nochmal das mit der Überwachung | Sebas (nicht überprüft) on 3. April 2013 - 19:05

    [...] 2013 - 19:05 | Neuen Kommentar schreiben Ich habe vor langer Zeit mal einen Artikel geschrieben ("Von wegen 37 Millionen - es werden alle überwacht") ... Tja, alle Jahre wieder. Blog reactionsNo reactions yet. Tags: Politik » [...]

  2. Wochenrückblick? Ach was: Jahresrückblick 2010-2012! &la (nicht überprüft) on 6. Oktober 2012 - 17:27

    [...] Von wegen 37 Millionen &; es werden alle überwacht | Sebastian Nerz [...]

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  4. Von wegen 37 Millionen - es werden alle überwacht | Sebastia (nicht überprüft) on 22. März 2012 - 11:29
  5. Pfurz (nicht überprüft) on 14. März 2012 - 22:47

    Die Geheimdienste und das Organisierte Verbrechen sind ein und das selbe !!!

  6. Von wegen 37 Millionen – es werden alle überwacht (nicht überprüft) on 1. März 2012 - 15:51

    [...] Affäre gemacht und wie ich finde die Sachlage auf für einen nicht Nerd sehr gut ausformuliertVon wegen 37 Millionen &; es werden alle überwacht | Sebastian Nerz.Sehr Lesenswert!!Sebastian Nerz, der Vorsitzende der Piratenpartei hat sich mal Gedanken zu der [...]

  7. Von wegen 37 Millionen – es werden alle überwacht (nicht überprüft) on 29. Februar 2012 - 23:24

    [...] Von wegen 37 Millionen &; es werden alle überwacht | Sebastian Nerz [...]

  8. Verpassen Sie schon jetzt unsere neueste Aktion! Erschaffen (nicht überprüft) on 29. Februar 2012 - 0:38

    [...] Aufhebung der Unschuldsvermutung, am besten in Form der Vorratsdatenspeicherung, denn wir sind alle potentielle Terroristen oder Verbrecher, die sich hin und wieder ebenso überwachten Journalisten, Anwälten & Seelsorgern anvertrauen. Daher besteht eine Notwendigkeit der Kriminalisierung und Überwachung regierungskritischer (“-feindlicher“) Bürger und Verbände, dies auch zur Pflege der Angstneurosen von Politikern und ihren Auftragsgebern. Nachtrag: Außerdem wie hier noch heimlich befürchtet, mittlerweile nun nachgewiesene Schnüffelei: Von wegen 37 Millionen &; es werden alle überwacht | Sebastian Nerz [...]

  9. El Jabalí (nicht überprüft) on 29. Februar 2012 - 5:18

    Bei der strategischen Kontrolle, um die es hier geht, geht es nicht um einen Schuldnachweis, da es sich nicht um Ermittlungen in Strafsachen handelt, sondern um geheimdienstliche Beobachtung. Und wo kein Schuldnachweis das Ziel staatlicher Maßnahmen ist, kann logischerweise auch keine Unschuldsvermutung eingreifen (übrigens ebenso im Gefahrenabwehrrecht). Desweiteren betrifft die strategische Kontrolle nur Kommunikation mit dem Ausland, und auch hier nur in bestimmte Gebiete, und davon wiederum nur maximal 20 % des gesamten Kommunikationsverkehrs auf den zu überwachenden Wegen (steht alles im Artikel 10-Gesetz sowie in dem von den Medien leider drastisch verkürzten Bericht an den Bundestag, auf dem die ganze Aufregung beruht).

    Wenn die Netzgemeinde solche simplen Fakten nicht zur Kenntnis nimmt und sich stattdessen solcherlei wilden Verschwörungstheorien hingibt wie du, muss sie sich nicht wundern, dass sie nicht ernstgenommen wird.

  10. Von wegen 37 Millionen – es werden alle überwacht (nicht überprüft) on 28. Februar 2012 - 19:59
  11. Von wegen 37 Millionen – es werden alle überwacht (nicht überprüft) on 28. Februar 2012 - 19:59
  12. Von wegen 37 Millionen – es werden alle überwacht (nicht überprüft) on 28. Februar 2012 - 15:42

    [...] Sebastian Nerz: &;In den letzten Tagen wurde bekannt, dass deutsche Geheimdienste weit über 37 Millionen Emails... [...]

  13. ibis (nicht überprüft) on 28. Februar 2012 - 0:05

    Abgesehen davon, das es völlig richtig ist, das Thema politisch anzugehen:

    "und fragen "Papa, wo warst Du, als sie anfingen die Emails zu überwachen?" Und ich weiß nicht, was ich dann sagen könnte."

    "Mixmaster- und Tor-Operator!"

  14. Gast (nicht überprüft) on 28. Februar 2012 - 7:02

    ... absolut richtig. Allerdings will die Form des politischen Widerstandes klar und logisch gewhält sein.
    Eine allzu aggresive Haltung führt i.d.R. zu falschen und unakzeptablen Entscheidungen - wohingegen ein zu lasches Angehen eher dazu führt, dass man eher dazu neigt den "Kopf in den Sand zu stecken"
    Mir persönlich schwillt bei vielen Dingen, die um mich herum passieren, ganz gewaltig der Kamm.
    Sämtliches politische Treiben im Moment führt bei mir immer mehr dazu, dass eine Wut in mir am köchelln gehalten wird.
    Für mich ein gutes "Druckablassventil" sind Gruppierungen wie die Piratenpartei und auch Anonymous. Innerhalb beider "Gruppierung" gibt es erstaunlich viele Vernünftige, die gleicher Meinung sind, mir aber einen Weg zeigen diese Wut einzudämmen.
    Somit kann ich ruhigen Gewissens in die Zukunft schauen und später meinem, jetzt 10 Jahre altem, Sohn ohne Reue und Scham erzählen wo ich war als man versucht hat uns durch ACTA/SOPA, GEZ, EU, Euro, "Terrorismus" und "Global warming" soviel Angst einzujagen, dass sich die Meisten entweder unter Steinen verkrochen, oder vor der Staatsgewalt kapitulierten.
    Ich find es toll, dass Sebastian diesen Blog hat - davon gibt es immer mehr. Die Netzgemeinde wächst und formt sich.
    Und das ist eine echt tolle Sache.

  15. 37 Millionen Emails und kein Schloss » Verschlüsselung » Ema (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 21:01

    [...] geöffnet, ausgewertet bzw. nach Stichwörtern gescannt, und wieder weitergeschickt. Ach was, alle wurden sie überwacht. Ja so tut doch einer was, [...]

  16. Simon (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 18:58

    Warum liest denn keiner den weiter oben verlinkten Blogbeitrag von Markus Schwarze? Hier nochmal: http://blog.rhein-zeitung.de/?p=29

    Es werden nicht alle Mails auf Stichworte überprüft. Vielmehr stellen die 37 Millionen Mails eine willkürliche Stichprobe dar, und erst auf diese Auswahl werden die Filtermechanismen angewandt. Die Schlussfolgerung von Sebastian Nerz stimmt also nicht.

    Selbst bei "nur" 37 Millionen überwachter Mails bräuchte man rund 34 Mitarbeiter, die bei einem Leseaufkommen von 10 Mails pro Minute das ganze Jahr über an allen Acht-Stunden-Tagen nichts anderes machen müssten, als diese Mails zu lesen.

    Aber natürlich bleibt die Kritik grundsätzlich berechtigt: Jede mitgelesene Mail ist eine zuviel.

  17. Postgeheimnis gibts nur noch auf dem Papier « 11k2 (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 16:42

    [...] wie Briefe, Festnetztelefonate, gesprochenes Wort in Privaträumen auszudehnen? heise, tirsales,  pic aus brazil Bewerten: Weitersagen:Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post [...]

  18. Gast (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 17:11

    Was regt ihr euch denn alle so auf? Wusstet ihr nicht, dass wir immer und überall überwacht werden? Euer Handy bucht sich ins Netz ein.. schwups: die wissen wir ihr seid... ihr nutzt eure EC-Karte/Kreditkarte...schwups: die wissen über eure Transaktion bescheid...
    und diese Liste lässt sich ellenlang weiterführen.
    Das ist aber nicht erst seit gestern so...
    Und es ist an der Zeit sich zu wehren.
    Ich für meinen Teil, bin nicht mehr länger das Kalb, das sich zur Schlachtbank führen lässt.

  19. Nicht nur 37 Millionen E-Mails überwacht | antiperson (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 15:21

    [...] Februar 2012 ~ Von wegen 37 Millionen ~ In den letzten Tagen wurde bekannt, dass deutsche Geheimdienste weit über 37 Millionen [...]

  20. Charlie (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 13:02

    Wenn das so ist und sich nicht mal eben ändern lässt, dann würde ich mal vorschlagen die notwendigen Begriffe in jede E-Mail einzufügen, so das sie aus dem unnötigen prüfen nicht mehr herauskommen. Würden 10 Millionen E-Mails am Tag mit den entsprechenden Worten in den Filter laufen, ist die Frage, wie sie das noch handhaben wollen.
    Wobei natürlich Worte wie "Bombe", "Anschlag" und andere terroristisch orientierte Worte raus bleiben sollten...
    Das ist meiner Meinung nach eine Konsequenz aus der Handlung in einer Demokratie, die so ein Verfahren zulässt.
    Wie soll man sich sonst gegen das ausspionieren währen ?

  21. zeugs am montag « blubberfisch (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 11:24

    [...] [text] von wegen 37 millionen &; es werden alle überwacht (sebstian nerz) [...]

  22. 37 Millionen E-Mails überwacht – und keinen regts (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 10:16

    [...] Der Hammer ist doch, dass der BND diese Mails als Stichproben aus allen verschickten Mails herausgesucht hat. Stichprobenartig werden also E-Mails geöffnet und diese dann untersucht auf irgendwelche Stichwörter, wie z.B. das in den Medien beliebte &;Bombe&;. D.h. jede_r muss damit rechnen, dass irgendeiner seiner_ihrer E-Mails vom BND überprüft werden, einfach so. Geht es nach Sebastian Nerz, so ist es sogar wahrscheinlicher dass alle, wirklich alle E-Mails gescannt werden. [...]

  23. Andreas W. (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 8:37

    Grundsätzlich bin ich zwar ein Freund von Verschwörungstheorien, in diesem Fall, bin ich mir aber sicher, dass sehr viel mehr mitgelesen/überwacht wird, als wir es denken.

  24. Gast (nicht überprüft) on 28. Februar 2012 - 12:04

    ist 20% der Übertragungskapazität nicht 20% der möglichen Leistung des Übertragungsweges?
    dann könnten wir uns noch sicherer fühlen, weil noch mehr überwacht werden darf...

  25. El Oso (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 1:55

    Die Aussage, der gesamte E-Mailverkehr werde überwacht, stimmt schon deswegen nicht, weil der gesamte inländische Datenverkehr davon nicht erfasst wird (§ 5 Abs. 1 Satz 1 G 10[=Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses, Artikel 10-Gesetz]). Zudem kann die Überwachung auch nicht für alle internationalen Kommunikationsverkehre angeordnet werden, sondern muss einerseits nach dem Gebiet, über das Informationen gesammelt werden sollen, sowie nach den zu überwachenden Telekommunikationswegen spezifiziert werden (§ 10 Abs. 4 Satz 2 G 10), und muss andererseits auf einen bestimmten Anteil der zur Verfügung stehenden Übertragungskapazität (in das benannte Gebiet auf den benannte Übertragungswegen) beschränkt bleiben (§ 10 Abs 4 Satz 3 G 10), der höchstens 20 % betragen darf (§ 10 Abs. 4 Satz 4 G 10). Zudem darf die Maßnahme nur für drei Monate angeordnet werden, kann aber, wiederum um drei Monate, verlängert werden, wenn die Voraussetzungen fortbestehen (§ 10 Abs. 5 G 10).

    Das heißt konkret: Es gibt keinen geheimdienstlichen Supercomputer, durch den alle E-Mails gefiltert werden. Das wäre rechtswidrig. Die Überwachung ist sowohl zeitlich als auch räumlich als auch in ihrem Umfang beschränkt. Zulässig ist aber beispielsweise, maximal 20 % des deutsch-afghanischen E-Mail-Verkehrs für die Dauer von drei Monaten auf bestimmte Schlagwörter zu untersuchen.

  26. Gast (nicht überprüft) on 28. Februar 2012 - 8:15

    Danke, daß ist soweit schön und gut. Der Punkt an der Sache ist nur, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß 20% allen deutsch-afganischen Postverkehrs überwacht werden. Nicht nur, weil es schlicht unmöglich wäre, sondern weil hier jeder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Verhältnismäßigkeit in Frage stellen würde.
    Und nur, weil etwas Recht (nach Gesetz) ist heißt das noch lange nicht, daß es Gerecht, moralisch/ethisch richtig oder verfassungskonform ist. (Vgl. Voratsdatenspeicherung oder Luftsicherheitsgesetz.)

  27. jfbequerel (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 15:49

    Ah endlich mal was Konkretes dazu. :)

    maximal 20 % des deutsch-afghanischen E-Mail-Verkehrs für die Dauer von drei Monaten auf bestimmte Schlagwörter zu untersuchen
    Das ist aus technischen Gründen leider so nicht möglich! :-(
    Und nu?
    Erklärung: Im Mailverkehr (und auch bei den Messengern) ist die Endgerät-zum-Server Verbindung heutzutage vorzugsweise verschlüsselt, nur die Server-Server Kommunikation kann einfach so belauscht werden. Das afghanische Bombenbaufachkräfte ihren Mailserver in Afghanistan stehen haben, dürfte auch eher die Ausnahme sein.

  28. Nightgawk (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 11:02

    @El Oso:

    Du bist ja ein Komiker. "Die machen nichts rechtswidriges, weil das wäre ja gegen das Gesetz..."

    Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte: Geheimdienste, Verfassungsschutz, BKA und Konsorten interessieren sich EINEN SCHEISS dafür was sie dem Buchstaben nach dürfen. Sie machen einfach trotzdem.

  29. El Oso (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 13:27

    @Nightgawk: Wenn dem so wäre bräuchten die Geheimdienste auch keinen Bericht wie diesen zu erstellen, der Menschen wie Dich oder auch Sebastian Nerz, die weder sich in der Sache auskennen, noch in der Lage sind, eine Bundestagsdrucksache zu lesen, mit ziemlicher Garantie empört auf die Palme bringen wird (was allerdings gleichzeitig ziemlich witzig ist und nicht weiter stören würde, wenn Ihr eure Uninformiertheit nicht als ihr Gegenteil tarnen würdet).

    Ihr könnt euch ja auch gerne eure kruden Verschwörungstheorien zurechtbasteln. Das ändert aber nichts an der Realität, in der die Geheimdienste einem parlamentarischen Kontrollgremium unterstehen, dass die Rechtmäßigkeit ihrer Aktionen regelmäßig überprüft.

  30. tirsales on 27. Februar 2012 - 13:58

    Habe es gerade noch einmal ausprobiert, aber ich kann Bundestagsdrucksachen lesen ;-) Sie lesen sich in weiten Teilen nicht wesentlich anders als die Drucksachen anderer Parlamente.

    Und mit Verschwörungstheorien habe ich nichts am Hut. Die massiv ansteigende Überwachung - hier bspw. eine versechsfachung innerhalb eines Jahres - ist Fakt und u.A. durch das PKG bestätigt. Es interessiert das PKG nur nicht. Und wenn ein Kontrollorgan kein Interesse an Kontrolle hat, dann bringt die Kontrolle nichts.

    Übrigens bezweifle ich nicht die Rechtmäßigkeit der Emailüberwachung, das TKG ist mir schon länger bekannt. Aber ich stelle die Einhaltung der verfassungsgemäß geforderte Verhältnismäßigkeit, den Sinn der Überwachung an sich und die Motivation u.A. der Geheimdienste in Frage. Oder, deutlicher: Das Gesetz ist ein Problem. Das PKG ist ein Problem. Die Geheimdienste und die parlamentarische Kontrolle darüber gehören nachdrücklich reformiert.

  31. Gast (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 9:22

    Dass die Filterung aller E-Mails rechtswidrig wäre haben Sie richtig erkannt. Das heißt aber noch lange nicht, dass es nicht doch gemacht wird.

  32. jfbequerel (nicht überprüft) on 26. Februar 2012 - 23:50

    Puuh da bin ich aber beruhigt, ich dachte schon ich wäre der einzige dem das aufgefallen ist dass die angegebenen 37 Mio irgendwie eine Teilmenge der gesamt bespitzelten Mails sein müssen. Und jemand der Mails nach Stichworten filtern kann, der könnte auch einfach einen sehr großen Datenträger anschließen und alle Mails komplett archivieren (außer natürlich das läuft über irgend eine Schnorchel-API und die Mails werden bereits vom Mailserver-Betreiber vorsortiert, stand ja in der Meldung leider nichts genaues dazu drin). Das fände ich dann schon äußerst bedenklich, so wegen Machtkonzentration und Putschgefahr - hoffen wir auf eine Bild-Falschmeldung ;)

  33. Intermezzo (342) « Blue Archive (nicht überprüft) on 26. Februar 2012 - 22:56

    [...] Von wegen 37 Millionen &; es werden alle überwacht [...]

  34. Christian (nicht überprüft) on 26. Februar 2012 - 21:36

    Endlich klare Worte! Danke!
    Arbeiten wir (alle gemeinsam) daran, dass diesen Worten auch Taten folgen.

  35. Gast (nicht überprüft) on 26. Februar 2012 - 23:07

    Wunderbarer Beitrag. Ich hab mir die Freiheit genommen, den Beitrag in meinem Blog zu verbreiten. Ich hoffe, das ist okay. Falls nicht, einfach melden, dann nehm ichs wieder raus.

  36. Frank (nicht überprüft) on 26. Februar 2012 - 23:13

    ... für die klaren Worte. Dem schließ ich mich an. Das Ausmaß der Überwachung hat Grenzen überschritten. Und ich muss gestehen, dass ich bei der Meldung über die überwachten Mails nicht wirklich weiter gedacht habe. Insofern war es naheliegend für mich, diesen Artikel über all meine Kanäle weiter zu verbreiten.

  37. K (nicht überprüft) on 26. Februar 2012 - 23:33

    Ich muss sagen, dass ich mit den Maßnahmen da kein Problem habe. Die Argumente die meistens gebracht werden, sind ja die, dass a) die Wahl der Schlüsselwörter total schwachsinnig ist b) die richtigen bösen Jungs sich vor der Überwachung recht leicht schützen können.

    Da frage ich mich, wer so blöd ist, zu glauben, dass die Bild Zeitung oder Ähnliches Medium erfährt, welche Filtermechanismen wirklich genutzt werden. Ich glaube, dass die Leute, die bei den Geheimdiesten für sowas zuständig sind, durchaus Clever genug sind, Schwachstellen zu erkennen, die auch jeder x-beliebige Blogger erkennt. Die Technik geht mit großer Sicherheit weit über einen Filter für "Bombe" etc. hinaus.

    Auch wenn es generell richtig ist, dass man sich vor so einer Überwachung wirksam schützen kann, heißt das nicht, dass da auch jeder kleine Möchtegern-Terrorist darauf kommt. Man sollte sich mal fragen, wie so eine hohe Sicherheit, wie wir sie heute in Deutschland haben, erreicht wird. Die Überwachung zielt doch nicht auf die "großen Jungs" ab, sondern auf die kleinen Mitläufer die irgendwo was aufschnappen und das dann rumerzählen. Und das sind auch genau die Leute, die als Informanten brauchbar sind, um große Organisationen zu infiltrieren. Dabei muss es ja nicht nur um Terrornetzwerke gehen, sondern z.B. auch um organisierte Kriminalität.

    Ich kann nicht verstehen, warum sich die Leute über solche Überprüfungen aufregen. Es ist nun mal so, dass das Internet den normalen Nutzern, aber auch den bösen Jungs enorme Möglichkeiten bietet. Soll jetzt gar nicht überwacht werden? Wie soll man denn vorher wissen, wen man abhören muss? Ich finde Diskussionen über solche Themen immer sehr lustig, denn niemand weiß doch genau, was für Gefahren da täglich durch die Geheimdienste usw. abgewendet werden.

  38. Gast (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 0:37

    und versenden gar keine mails aus den mailkonten heraus. sie schreiben nur entwuerfe, die niemals abgeschickt werden. und der naechste loggt sich ein und liest die, schreibt einen antwort-entwurf - und so weiter. soviel zu den amateuren unter den poesen purschen. profis nutzen dafuer ueberhaupt keine einfach zu bespitzelnden techniken. ich moechte hier aber nicht weiter ins detail gehen, um nachher nicht wegen anleitung zu straftaten belangt zu werden.
    rechtstaat, my ass…

  39. Christian (nicht überprüft) on 26. Februar 2012 - 23:48

    Hallo K,

    du findest diese Überwachung also sinnvoll und nützlich - vielleicht sogar "alternativlos" ? Was hälst du denn von der Quote, dass 12 E-Mails relevant waren. Und ich meine 12 Stück. Nicht 12 Mio. Quelle:http://bit.ly/yovRQ3 Rechtfertigt das eine Überprüfung sämtlicher elektronischer Kommunikation? Sollten deiner Meinung auch Briefe und Pakete überprüft werden? Auch von denen kann eine Gefahr ausgehen. ^^

  40. K (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 0:33

    Hallo Christian,

    selbst ein Hinweis rechtfertigt die Überwachung meiner Meinung nach. Es geht hier ja nicht um Steuerhinterziehung oder sowas wo nur ein finanzieller Schaden entsteht, aber wenn dieser eine Hinweis dafür sorgt, dass Geheimdienste einen neuen Informanten bekommen, durch den ein Anschlag vereiltet werden kann, bei dem auch nur 1 Mensch zu Schaden gekommen wäre - dann habe ich kein Problem mit der Überwachung. Leider haben wir keine Möglichkeit den Sinn zu überprüfen, weil niemand weiß, was die Informationen letzlich gebracht haben.

    Außerdem geht es hierbei um automatisierte Überwachung und nur die verdächtigsten werden manuell überprüft. Genau das gleiche Modell haben wir auch bei der Flughafensicherheit. Da beschwert sich aber niemand, wenn dafür gesorgt wird, dass das eigene Flugzeug nicht abstürzt etc. Klar man kann in dem Fall auch davon reden, dass die Gefahr gar nicht existent ist sondern von Geheimdiesten und Poltik inszeniert wird um weitere Überwachungsmaßnahmen zurechtfertigen. Tatsache ist aber auch gleichzeitig, dass das niemand von uns wirklich einschätzen kann, weil Erfolge der Geheimdienste nicht bekannt werden.

  41. Fjunchclick (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 9:49

    Hallo K,
    du hättest bestimmt auch nichts gegen eine Kamera in deinem Schlafzimmer, oder? Wenn man das bei allen machen würde und dadurch pro Jahr 2 Menschen überführen könnte, die ihre Frau vergewaltigen...

  42. K (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 21:38

    Du kannst wohl kaum die automatisierte computergestützte Überwachung von E-Mails mit einer Videoaufzeichnung vergleichen.

  43. K (nicht überprüft) on 26. Februar 2012 - 23:34

    Noch eine Ergänzung:

    Es gibt ebend kein "Ausmaß" der Überwachung. Viele Leute sind Ersttäter oder stehen gar nicht auf irgenwdelchen Überwachungslisten. Sprich: Entweder überwacht man alles oder gar nichts.

  44. Gast (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 10:50

    Wow... Menschen wie du machen mir Angst.
    Niemals würde ich Kinder in eine solche Welt setzen

  45. Marcus Schwarze (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 0:23

    ... schon aufgefallen, zum Beispiel hier: http://blog.rhein-zeitung.de/?p=29

  46. Gast (nicht überprüft) on 28. Februar 2012 - 12:09

    thumbs up for kettenbrief, I#ve already done it

  47. Gast (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 10:18

    Vielleicht sollten man einen kettenbrief mit einem tollem text aus den schlagworten starten der aus 37mio mal kurz 370 mio. macht damit die mal was zu tun bekommen.

  48. Siggi (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 11:35

    Alle Suchschlagworte in jede sig unter jeder Mail von jeder Person und schon hat man die Schnüffler ausgeschaltet.

  49. Gast (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 11:27

    Maybe a bit OT, but: an example of censorship: I wanted to watch a video posted on youtube about an Italian Politician doing some stupid things in a club. There is music in the background, and of course GEMA censored the thing on youtube.de. Now I ask myself, is this censorship? (Sorry I understand German, but I write veryveryvery badly).

  50. Gast (nicht überprüft) on 27. Februar 2012 - 12:22

    Ist die Befürchtung naheliegend, dass die ausgewerteten Informationen der deutschen Geheimdienste an andere verbündete Geheimdienste, z. B. die der USA, weitergeleitet werden? Und dass dann sogar u. U. deutschen Staatsbürgern aufgrund einer missverstandenen E-Mail ein Visum verweigert wird?