Kurzbericht vom Jahrestreffen des DDV

7. Februar 2012 - 13:06 |

Ich war am Freitag bei der Mitgliederversammlung 2012 des DDV (Deutscher Dialogmarketing Verband e.V.). Der DDV ist ein Wirtschaftsverband, der die "Interessen der Dialogmarketingbranche" vertreten will. Dazu gehören bspw. Call-Center und Telefonvertrieb, Direkt-Mail-Anbieter, Zielgruppenspezifische Werbung, etc
Dort habe ich einen Vortrag über die Piratenpartei und unsere Vorstellungen von Datenschutz gehalten und Fragen zur europäischen Datenschutzinitiative beantwortet.

Ich freue mich über die Bestrebungen, die Datenschutzbeauftragten tatsächlich unabhängig zu gestalten. Aber es gibt in der EU sehr unterschiedliche Vorstellungen, was Datenschutz ist, was er will und welche Aufgabe die DSBs dann haben. Zudem habe ich die geplante EU-Novelle für das "Right to be forgotten" und die Cookie-Richtlinien angegriffen.

Meiner Meinung nach brauchen wir im Datenschutz eine Fokussierung auf eine neue Zieldefinition abseits von Einzeltechnikregulation. Letztere funktioniert einfach nicht, dafür ist Technik viel zu volatil, die Branchen zu kreativ und die Politik (notwendigerweise) zu langsam. Im Gegenteil: Der Datenschutz muss das Ziel haben, die Menschen wieder mündig machen, d.h. die Firmen müssen
transparenter gestalten was mit Daten passiert, versteckte Datenerhebungen (vgl. Like-Buttons) sind ein Problem, auch Datenverkauf etc muss im Vorfeld kommuniziert werden. Auch bei Scoring-Verfahren muss geregelt werden, welche Daten verwendet werden. (Darf eine Bank bspw. Facebook-Aktivitäten ihrer Kunden mit einbinden? Diese sind im Zweifelsfall ja öffentlich. Mir persönlich hat bislang der Vorschlag am Besten gefallen, dass in sensitiven Branchen das Scoring gesetzlich geregelt werden muss, in anderen Bereichen auf Transparenz der Verfahren und der Daten gesetzt wird).

Auch muss diese Kommunikation "Was machen wir mit den Daten" deutlicher und verständlicher geschehen. Datenschutzbestimmungen sind etwas für Juristen, der normale Anwender versteht sie häufig nicht mehr. Wie auch, Standardfloskeln oÄ sind eben nicht intuitiv verständlich. Sinnvoll wäre es, wenn (gegebenenfalls branchen-spezifische) Standards für die Datenverarbeitung geschaffen werden, die Unternehmen/Webseiten/etc müssen dann insbesondere Abweichungen vom Standard deutlich, sichtbar und einfach verständlich kommunizieren. (Das Beispiel einer Datenschutz-Ampel drängt sich auf, diese wäre aber wohl zu stark vereinfachend). Am Beispiel: Der Pizzalieferdienst speichert meine Telefonnummer und Mailadresse für Rückfragen, löscht sie aber regelmäßig. Wenn ich "Newsletter" anklicke wird die Mailadresse dauerhaft auch für Werbung gespeichert, aber er gibt sie nicht weiter. Macht er das, muss er im Vorfeld darüber informieren. Das wäre so ein Standardverhalten, wie ich es von einem Anbieter erwarten würde.

Ausgesprochen habe ich mich zudem für stärkere Schulung der Menschen - Medienkompetenz an Schulen und in der Erwachsenenbildung ist eines der zentralen Themen für die Zukunft! Auch eine stärkere Mündigkeit der Benutzer über bspw. die Einbindung von Browser-Einstellungen (no-Tracking) anstatt auf 101 Popup pro Webseite zu setzen, wäre sicher sinnvoll.

Das hat soweit weitgehend die Zustimmung der DDVler gefunden, nicht in allen Bereichen aber doch stärker als wir es wohl gegenseitig erwartet hätten. Schwierig ist die Behandlung von öffentlichen Quellen, die Aufstellung der Standards sowie die Behandlung von Scoring-Verfahren. Insgesamt sind die Firmen aber relativ aufgeschlossen. Sie haben die Hoffnung, dass wir neue Sachkenntnis in die Debatte bringen. Die Angst vor unsinnigen Richtlinien ist relativ groß (vgl. technisch nur von Großanbietern umsetzbares Recht auf vollständige Löschung innerhalb von 24h). Viele Regulationen würden, so die Befürchtung des DDV, nur zu einer Stärkung großer Anbieter und einer Schwächung von Neueinsteigern und kleinen Firmen führen.

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