Die Grünen und "freie Bildung"

5. Dezember 2010 - 21:21 |

Ich lästere ja eigentlich ungern auf meinem Blog über andere Parteien (was red ich da … natürlich lästere ich gerne), aber hier braucht es gerade mal eine Klarstellung:

Die Grünen haben sich auf dem Landesdelegiertenkongress 2010 von dem Ideal der freien Bildung verabschiedet.

Mit 88 zu 87 Stimmen.

Sie haben sich bei der Wahl "Für gebührenfreies Erststudium" oder "Allgemein gegen Studiengebühren" leider für das erste entschieden. Keine Gebühren beim Erststudium ist zwar weiterhin besser als die Haltung der CDU - aber es ist eben auch eine Aussage "Für Studiengebühren beim Zweitstudium".

Es gibt viele Gründe für ein Zweitstudium - manche Berufe kann man nur mit zwei Studiengängen machen, andere lernen im Erststudium was sie wirklich machen wollen oder finden keine Stelle mit dem Erststudium oder stellen fest, dass ein Zweitstudium neue akademische Möglichkeiten öffnen würde. Ich selbst habe lange mit einem Zweitstudium (Medizin) geliebäugelt, da die Kombination Bioinformatik+Medizin viele interessante Wege in der Forschung ermöglichen würde.

Aber viel wichtiger als diese Berufsbezogenen Gründe ist für mich ganz schlicht eines: BILDUNG MUSS FREI SEIN. Bildung ist das wichtigste Gut, dass wir in Deutschland haben - gerade im "Tüftlerland Baden-Württemberg". Studiengebühren hindern Menschen am Zugang zu Bildung - sie sind deshalb generell abzuschaffen. Ob nun jemand einmal, zweimal oder dreimal studiert ist dabei völlig irrelevant.

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  1. Die Grünen und "freie Bildung" | Tirsales (nicht überprüft) on 6. Dezember 2010 - 8:28

    [...] den Beitrag weiterlesen: Die Grünen und "freie Bildung" | Tirsales Gedankenraum Tags:ist-das, viel-wichtiger, dass-wir, sein, berufsbezogenen, Beruf, bildung, schlicht-eines, [...]

  2. Die Grünen und die Freie Bildung – eine Replik - (nicht überprüft) on 6. Dezember 2010 - 1:00

    [...] Landesvorssitzenden der Piratenpartei, Sebastian Nerz in seinem Blog, unter dem Titel &;Die Grünen und &;freie Bildung&;&;, verdiente und erhielt meine folgende [...]

  3. Wolfgang G. Wettach (nicht überprüft) on 5. Dezember 2010 - 22:03

    Lieber Sebastian,

    Zum BGE schreibst du "Demokratie ist keine Abstimmung, Demokratie ist ein Prozess." Richtig.

    Das gilt auch für "Freie Bildung", zumal für Freie Bildung von Anfang bis Ende. Auch Gebührenfreiheit für die KITA von Anfang an haben wir, nach einer Diskussion und Abstimmung dazu, nicht gefordert. Warum? Weil wir auch für die KITAs den ersten Schwerpunkt auf Qualität setzen (und ein ausgebautes Angebot in der Fläche) und schon dafür viel Geld in die Hand nehmen wollen und müssen, auch weil die unterfinanzierten Kommunen dafür und bei der Umsetzung des Orientierungsplans Unterstützung brauchen. Langfristig wollen wir erst eines, letztlich alle Kindergartenjahre kostenlos machen. Mit "Sparen an der Bildung" hat das nichts zu tun, sondern mit Verantwortung übernehmen und viel mehr Geld für gute frühkindliche Bildung und Erziehung.

    So auch bei den Universitäten: Wir sind wie auch die Piraten für die Abschaffung der bestehenden unsozialen Studiengebühren als künstliche Hürde. Diese "Campus-Maut" lehnen wir ebenso ab wie eine flächendeckende PKW-Maut, die immer wieder auch von der CDU ins Gespräch gebracht wird. Anders als andere wollen wir nicht nur das erste Studium gebührenfrei stellen, sondern nach dem Bachelor auch den Master und danach sogar die Promotion. Wer an den Unis unterwegs ist weiss dass das auch Richtungswechsel beinhalten kann: Nach dem Bachelor in Informatik den Master in Wirtschaft zum Beispiel. Die kompletten wegfallenden Studiengebühren wollen wir den Universitäten aus Landesmitteln ersetzen, weil auch die Qualität der Lehre an den Universitäten nicht leiden soll. Zugleich wollen die Grünen mehrheitlich aus dem gleichen Grund den Universitäten nicht jede Möglichkeit verbieten, Gebühren zu erheben, etwa für Seniorenstudium oder universitäre Erwachsenenbildung als derzeit kostendeckendes Angebot der Fort- und Weiterbildung.Solche Angebote könnten ohne Gebühren nicht gemacht werden.

    "Freibier für alle" ist unsere Forderung nicht, sondern erst einmal sehr viel mehr Geld vom Land für die Universitäten. Mit "Sparen an der Bildung" hat auch das nichts zu tun.

    Freie Bildung ist ein Prozess, auf dem wir konsequent und zulasten anderer Haushaltsposten wesentliche Schritte voran gehen wollen. Wenn wir in die Verantwortung für den Haushalt treten, wie wir sie kommunal in Städten wie Tübingen, Freiburg oder Konstanz schon haben, können wir nicht wie eine reine Oppositionspartei nur fordern, sondern müssen auch Finanzierungskonzepte haben. Wir werden deutlich mehr in gute Bildung von Anfang an investieren, und in den Abbau der Hürden beim Zugang zu Bildung.

    Wir haben uns nicht gegen ein gebührenfreies Zweitstudium ausgesprochen, sondern nur die Möglichkeit offen gelassen dass dafür Gebühren erhoben werden. Wir werden weiter daüber diskutieren. Und wenn wir nach der Abschaffung der bisherigen Studiengebühren sehen dass das immernoch eine unerwünschte Hürde ist, werden wir als nächstes das Zweitstudium nach begründetem Wechsel und später vielleicht jedes Zweitstudium gebührenfrei stellen.

    Zum BGE schreibst du "Demokratie ist keine Abstimmung, Demokratie ist ein Prozess." Das gilt auch für "Freie Bildung".

    Reden wir weiter drüber. Ohne Polemik - für das gemeinsame Ziel freier Bildung.

  4. tirsales on 5. Dezember 2010 - 22:54

    Hallo Wolfgang,

    nun ja, die Promotion Gebührenfrei zu gestalten ist ein Publicity-Stunt - eigentlich gehört eine Promotion bezahlt, in vielen Fächern ist das durchaus schon der Standard. Doktoranden leisten eine wertvolle Arbeit - egal ob man die Promotion nun als Promotionsstudiengang tituliert oder nicht. Und der Richtungswechsel im Master funktioniert leider nur in begrenzten Fällen - immer mehr Masterstudiengänge verlangen einen passenden Bacchelor als Zulassungsvoraussetzung oder schlicht durch den engen Zeitrahmen.

    Den Universitäten die wegfallenden Studiengebühren zu ersetzen findet übrigens meine Zustimmung - es findet sich ja so auch im Piratenprogramm wieder - aber: Entsprechendes kann man problemlos auch für die Zweitstudiengänge machen. Die dafür entstehenden Kosten sind marginal gegenüber den Studiengebühren an sich. Dass hier immer mit Seniorenstudiengängen argumentiert wird ist übrigens lächerlich - ein Kommillitone von mir ist 24 und in seinem zweiten Studium.

    Und was die Kosten angeht - zuerst einmal sind die Studiengebühren im Vergleich zum gesamten Etat der Unis lächerlich gering, zum zweiten gab es diesen "Kostenpunkt" vor einigen Jahren schon nicht (und damals sahen die Landesmittel nicht besser aus als heute) und zum dritten ... Bildung ist der letzte Punkt an dem wir knausern können. Deutschland hat kaum Rohstoffe - wir haben nur unsere Bildung.

    Freie Bildung zu entwickeln ist ein Prozess, keine Frage. Ob die Abschaffung der Studiengebühren nun in einem oder in zwei Schritten läuft ist diskutabel und in welcher zeitlichen Reihenfolge KiTas kostenlos eingeführt werden können ebenfalls- nur sollte man sich auf das Ziel "Freie Bildung" einig sein. Und dieses Ziel hat die LDK10 abgelehnt. Da mag man drumrum reden wie man will - Fakt ist: Freie Bildung wurde mit 88 zu 87 Stimmen abgelehnt.

    Natürlich ist die Entwicklung des Grünen-Landesprogramms die höchsteigene Entscheidung der Grünen. Nur müsst ihr dann eben mit den Antworten leben. Egal ob das nun der JMStV in NRW oder HH ist oder nun die Studiengebühren in BW.

    Grüße,

    Sebastian

  5. Wolfgang G. Wettach (nicht überprüft) on 6. Dezember 2010 - 0:51

    Ich habe das Programm der Piraten dazu gelesen - zu behaupten es gäbe an dieser Stelle grundlegende Differenzen ist absurd - oder reine Propaganda einer Partei die ersteinmal ihre Hausaufgaben machen, (nämlich Unterstützungsunterschriften sammeln) muss.

  6. tirsales on 6. Dezember 2010 - 0:56

    Keine Angst, die Hausaufgaben laufen ganz gut. Danke der Nachfrage.

    Und die grundlegenden Differenzen? Nun ja … "Wir wollen daher die Abschaffung der Studiengebühren und weiterer finanzieller Zusatzbelastungen für Studierende wie Verwaltungsgebühren, um barriere- und kostenfreie Bildung für alle zu realisieren." [Hervorhebung durch mich]

    Klar, mit der CDU haben wir hier noch weniger Gemeinsamkeiten. Aber ich sehe einen nennenswerten Unterschied zwischen der Abschaffung *aller* Gebühren im Studium und der Forderung Studiengebühren für das Erststudium abzuschaffen.