Über das Tauchen

18. Oktober 2010 - 23:40 |

Normalerweise versuche ich nicht zu viel persönliches zu bloggen. Zum Einen bin ich der Ansicht, dass das nur mich etwas angeht und zum Zweiten denke ich nicht, dass es besondere viele Menschen interessiert. Die Menschen aus meinem Bekanntenkreis kennen mich sowieso gut genug ;) Wer sich also nicht für persönliches interessiert - hier steckt nichts Interessantes drin und politisch wird es sowieso nicht.

Aber in letzter Zeit habe ich relativ viel zum Thema "tauchen" getwittert ... und ich wurde einige Male gefragt warum ich gerne tauche. "Klar, im Roten Meer taucht jeder gerne - faszinierende Fische und so. Aber in den heimischen Baggerseen? Was gibt's denn da zu sehen?" war vermutlich die beste Formulierung dazu.

Also gut, dann beantworte ich diese Frage eben. Ich verrate in diesem Blogpost vermutlich mehr über mich als ich jemals ins Netz stellen wollte, aber was soll's. Spielen wir ein bisschen Post-Privacy und decken das Faust'sche Dilemma auf.

Erst einmal gibt es in unseren Seen eine ganze Menge zu sehen. Wir haben eine faszinierende Flora und Fauna - von Kleinstkrebsen und bunten Schwämmen, über Forellen und Seerosen bis zu Wasserpest und Welsen. Zum großen Teil muss man relativ gut hinschauen - einerseits weil die Sicht in deutschen Seen nicht besonders gut ist und andererseits weil viel Interessantes im Makrobereich ist. Aber das ist gar nicht so wichtig ... ich genieße auch Tauchgänge im Baggersee Hirschau (mit Sichtweiten von etwa 10cm).

Der Hauptgrund ist: Ich tauche einfach gerne. Manche Menschen gehen in die Berge, andere machen ausgedehnte Spaziergänge oder Radtouren ... ich tauche. Tauchen ist Entspannung. Streckt man den Kopf unter Wasser taucht man, im wahrsten  Sinne des Wortes, in eine andere Welt ein. Man schwebt und kann auf eine Art abschalten, die man über Wasser niemals erleben könnte. Was auch immer "an der Luft" ist - unter Wasser ist es weg. Es gibt natürlich eine ganze Reihe von anderen Problemen - aber die Überwasserprobleme sind irrelevant. Reinhard Mey sang "Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein" ... na ja, ich würde euch meinen Gesang niemals antun, aber gegebenenfalls wäre das ein "Mitten im Wasser etc"

Unsere Sinne funktionieren unter Wasser anders. Es gibt andere Geräusche und keine Möglichkeit ihre Quelle festzustellen - quasi das Gegenteil von Surround-Sound ;) Und die Geräusche sind anderer Art - weniger zivilisiert. Dann gibt es kaum Gerüche, andere Farben, anderes Licht, ein ganz anderes Körpergefühl. Es gibt Pflanzen die man an Land niemals sehen würde - ganze Wälder die sich in den Wellen wiegen, schwebende Fächer, Wolken aus Grün. Es gibt andere Tiere die sich anders verhalten als wir es gewohnt sind. Sie lassen Menschen sehr dicht an sich heran, schwimmen als Schwarm in Formation und um dich herum - und dann sind sie wieder weg. Ganz abgesehen davon, dass es Formen gibt, die man über Wasser niemals sehen würde. Filigrane Konstrukte, lange Flossen oder Tentakeln, seltsames und wunderschönes.

Aber vor Allem ist es sprichwörtlich eine andere Welt. Selbst wenn man will: Man sieht nur einen Bruchteil der Überwasserwelt von unten, es ist fast so als würde die Welt oben gar nicht existieren. Kommunikation beispielsweise muss non-verbal laufen, philosophische Grundsatzdebatten sind also nicht möglich (ich mag solche Diskussionen ... ab und an habe ich aber auch gerne meine Ruhe). Man muss dem Tauchpartner vertrauen und in der Lage sein sich ohne große Erklärungen zu verständigen.

Und man ist unter Wasser nicht erreichbar - mein Handy habe ich logischerweise nicht mit und meinen Notebook sowieso nicht. An Land habe ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht erreichbar bin. Den Rechner nicht angeschaltet zu haben ist ein seltsames Gefühl - ich könnte etwas verpassen, nicht rechtzeitig reagieren - aber unter Wasser ist das irrelevant. Ich bin in einer anderen Welt... in einer Welt ohne Zeit, ohne Stress.

Kurz: Unter Wasser kann ich abschalten, mich einfach nur entspannen - viel Besser als an Land. Und wenn ihr mich mal wieder sucht ... schaut nicht im See.

 

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