Eine Petition "Arzneimittelwesen - Veröffentlichung aller Studien über Medikamente"" wurde am 25.11.2009 beim Bundestag eingereicht. Auch wenn ich die Intention gut finde - die eigentliche Forderung ist, zumindest in dieser Formulierung, utoptisch.

Ist dieser Petition heißt es wörtlich:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen: Pharmaunternehmen und Forschungsinstitute werden gesetzlich verpflichtet, alle Studien über Medikamente zu veröffentlichen, auch und insbesondere dann, wenn diese die Wirkungslosigkeit oder negative Wirkungen eines Medikaments belegen.

Hat sich die Petentin einmal Pharmastudien angesehen? Darin enthalten sind sehr viele Details über Wirkmechanismen, Rezepturen, etc - gerade bei Studien in den Frühstadien einer Medikamenteentwicklung wären diese für Konkurrenzunternehmen teilweise Gold wert .. Eine Verpflichtung alle Studien komplett veröffentlichen zu müssen wäre daher schwachsinnig - u.a. auch deshalb, weil die meisten Studien niemals zu marktreifen Medikamenten werden.

Nein, es muss sich etwas bewegen im Pharmabereich. Auch und gerade im Bereich Pharmastudien braucht es mehr Transparenz, mehr Möglichkeiten für Ärzte, Apotheker und Patienten die Wirksamkeit - und die Risiken - eines neuen Medikaments sinnvoll abwägen zu können. Die Forderung nach einer prinzipiellen Veröffentlichung von Pharmastudien ist hier aber eher schädlich als nützlich - denn sie geht viel zu weit, ist einfach abzublocken, und zerstört nur die Glaubwürdigkeit der Transparenz-fordernden.

Vielleicht könnt man die Kommissionen und Behörden stärken, die Studien bewerten müssen? Die amerikanische FDA gäbe hier sicherlich ein teilweise gutes Beispiel vor.. Auch könnten die Kommissionen stärker (oder überhaupt einmal) vernetzt werden, Pharmaunternehmen könnten gezwungen werden auch negative ERGEBNISSE zu veröffentlichen - oder überhaupt alle Ergebnisse.. aber eben nicht alle Studien.

Zu tun ist viel - aber wir sollten uns gut überlegen, was wir fordern. Mehr Transparenz im Gesundheitswesen, unabhängige Evaluierungen der Wirksamkeit und Risiken von Medikamenten, etc - aber die Thematik ist mittlerweile so komplex, dass wir uns vor Schnellschüssen hüten sollten.

UPDATE:

Nachdem ich darauf hingewiesen wurde, dass mein Beitrag missverständlich ist: Ich bin für eine Pflicht Ergebnisse klinischer Studien veröffentlichen zu müssen, wie beispielsweise vom IQWIG gefordert. Ich halte es nur für falsch hieraus eine Veröffentlichungspflicht für die ganzen Studien abzuleiten. Die prüfenden Behörden/Kommissionen/Gesellschaften müssen alle Informationen erhalten, die sie brauchen, die interessierte Öffentlichkeit alle Ergebnisse (auch gerade negativer Art).

Weiterführende Links beispielsweise im Spiegel Artikel hier, bei der WHO oder der German CTR.

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