Lieber BDK, liebe Contentindustrie

3. November 2009 - 18:37 |

Lieber BDK,
liebe Contentindustrie,

mit Erschrecken lass ich bei Heise, dass sie weiterhin Websperren für 'P2P'-Seiten fordern. Ihre Argumentation ist dabei etwas schwach...

Die Nutzer dürften "gar nicht erst in Versuchung" geführt werden, sich illegal kopierte und nicht zur Verbreitung freigegebene Filme übers Internet anzuschauen

Hmm - übertragen wir das mal auf die Realität: Menschen dürfen gar nicht erst in Versuchung geführt werden, illegale Dinge zu sehen. Wie stellen wir uns das vor? Wir verbieten jetzt Zeitungen über Verbrechen zu berichten (dies könnte ja immerhin Nachahmungstäter anleiten). Ausserdem verbieten wir die Reise ins Ausland - in manchen Ländern gibts ja immerhin illegale Kopien auf der Straße zum Verkauf.

Dann verglichen Sie Internetzugänge mit Mietwägen - kleiner Schönheitsfehler: Sowohl bei Mietwägen als auch bei Internetzugängen wird protokolliert, wer welche IP (Wagen) nutzt. Allerdings wollen Sie - mit der Vorratsdatenspeicherung - noch mehr erfassen: Welcher Wagen wann wo fährt. Quasi die allumfassende Kennzeichenüberwachung mit automatisierter Speicherung für 6 Monate. Hmm, hört sich das für sie gut an? Immerhin könnte man damit ja feststellen, wer manchmal auf den Schwarzmarkt fährt.

Oh und Herr Jansen - es ist ein Armutszeugnis von einem Kriminalbeamten zu behaupten, dass es im Internet keine Strafverfolgung gäbe. Die Vielzahl an Anklagen und Verurteilungen mit Internetbezug beweisen, dass Sie sich hier irren - oder bewusst die Tatsachen etwas verdrehen. Anstatt immer neue (dann nicht genutzte) Techniken zu fordern sollten sie sich bemühen, die existierenden Techniken zu nutzen - mehr gut ausgebildete Polizeibeamte könnten Verbrechen aufklären. Die Vorratsdatenspeicherung tut dies nicht.

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